survival of the fittest?

[ geschrieben am 08.01.2008 in blog: der mensch | tags: #, #, # ]

der ton im gesundheitswesen wird rauer – so kann einem patienten in großbritannien die lebensrettende operation verweigert werden, wenn er nicht mit dem rauchen aufhören will oder fettleibig ist, wie „telepolis“ vor einer knappen woche berichteten.

am veröffentlichungstag des artikels trat das nichtraucherschutzgesetz in berlin und brandenburg in kraft. auch „radio 1“ diskutierte das thema in einer sendung, die ich -vom silvesterkurztrip zurückkehrend- im auto mithören durfte. es wurden flammende reden geschwungen, von denen mir die aussage eines spiegel-redakteurs, dessen namen ich leider vergessen habe, noch am deutlichsten in erinnerung sind. er sprach davon, wie „entwürdigend“ es sei, die raucher „vor die tür in die kälte“ zu setzen. andere raucher stimmten der entwürdigenden argumentation zu.

ich erinnere mich in diesem zusammenhang immer wieder gern an meine einsätze in einem schwedter musikklub, bei denen der rauch aus der entlüftungsanlage bildlich wie aus einem schornstein ins freie strömte. das war zwar nicht „entwürdigend“, aber gesundheitsschädigend war es allemal. da ich als angestellter wenig wahlmöglichkeiten hatte, blieb mir nichts anderes, als diese situation hinzunehmen.

als wie „entwürdigend“ wird nun die oben genannte entwicklung angesehen? längst ist es trauriger gesellschaftlicher konsens, dass suchtkranke anderer drogen der gesellschaft nicht über maß „auf der tasche liegen“ sollten. ihr dilemma sei schließlich in großem maße selbst verschuldet. ist eine droge jedoch gesellschaftlich anerkannt, dann wird ein anderes maß angesetzt? ich möchte nicht falsch verstanden werden: ich bin nicht der meinung, dass die medizin von ihrem hippokratischen eid abweichen dürfe, gleich welchen schadens, den sich der patient im vorfeld -wissentlich oder unwissentlich- selbst zugeführt hat.

autokratische tendenzen, wie ich sie auch immer öfter in der ökologiebewegung erkenne, helfen kaum weiter, die steigenden kosten im gesundheitswesen aufzufangen. sie stellen an die position der information das element der bestrafung, frei nach dem motto „dummheit schützt vor strafe nicht“. sinnvoller wäre eine aufklärung, wie sie das gesundheitsministerium seit jahren mit der kampagne „gib aids keine chance“ betreiben.

nicht erst seit „thank you for smoking“ wissen wir, dass am tabakkonsum eine große industrie immense gewinne macht. die deutsche regierung besteuert tabakprodukte zwar, aber nicht zum zwecke der kostendeckung der gesundheitsausgaben, sondern für andere staatliche haushalte. während die glimmstengelfabrikanten jedoch reicher und reicher werden, frisst das resultat ihres marketings große teile der europäischen sozialen errungenschaften auf. und auch eine kampagne gegen das rauchen kostet einen staat geld.

statt also hilfesuchenden den weg zur tür zu zeigen, wäre es deutlich sinnvoller, die profiteure in der tabakindustrie stärker zur kasse zu bitten. das wird die zigaretten verteuern – ok. aber wenigstens wird ja niemand dadurch „entwürdigt“, seinen „genuss“ an der frischen luft zu fröhnen.

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